Eine Reflexion zur Ausstellung „Die Anschauung der Natur“ im Pharmaziemuseum Brixen:

Immer mehr erkenne ich dass Kunst und Philosophie eine untrennbare Einheit bilden. Kunst ist ja die Anschauung der Wirklichkeit, (was auch jeder darunter verstehen mag) so wie auch die Ansprüche der Philosophie es sind, denn diese forscht auch nach der möglichst objektiven Wirklichkeit. Aber es gibt eben viele, ja vielleicht unendlich viele Blickpunkte von denen aus man die Wirklichkeit sehen und verstehen kann. Es sind so viele Perspektiven wie es Lebewesen gibt.

 

Das Unendliche und das Individuelle
Das Unendliche und das Individuelle

Da fällt mir der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz ein: Wo es um die „Monaden“ geht, diese erkärt er so: „Die Monaden sind die wahren Atome der Natur, sie sind um ein Vielfaches kleiner als diese und immateriell; und sind mit einem Wort, die Elemente der Dinge“. Als Seele, ausgestattet mit Vorstellungskraft, stellt die Monade das ganze Universum vor; und da jede Monade das tut, steht alles miteinander in Verbindung; alles ist wieder in Allem, wie bei Anaxagoras, bei Platon, bei Plotin, bei Cusanus; ist selbständig und trotzdem ein Ganzes. Und weiteres:

„Die Schöpfung der Monadenwelt wird dadurch erklärt, daß Gott eine unendliche Fülle von Blickpunkten produziert, deren jeder eine Monade darstellt; in dieser Hinsicht ist die Welt die Vielfalt des göttlichen Schauens.“

Es gibt auch noch einen anderen Blickpunkt der mir sehr gefällt, es ist der von Goethe: Der Philosophierende muß immer erneut sich daran machen, den Geheimnissen der Gottheit nachzusinnen. Wenn aber all seine vielfältigen Versuche, in das göttliche Dunkel erkennend einzudringen, zerbrechen, bleibt nur das was Goethe als die höchste Aufgabe des Menschen bezeichnet:

„das Unerforschliche in  andachtsvolle Anschauung ruhig zu verehren.“

In tausenden von Jahren der Philosophie wurde eine Definition, ein Beweis Gottes gesucht, aber es bleibt ein Geheimniß jenseits unseres Denkvermögens.

„Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen“

Rabrindranath Tagore

Oel auf Leinwand, Bachsteine,

Als Kind wollte ich „Naturforscher“ werden, besonders weil ich die Tiere so liebte. Als Erwachsener kann ich sagen: „ich bin Naturforscher geworden“. Nicht ein Naturforscher im herkömmlichen Sinn, sondern mit meiner Malerei. Dadurch ergibt mein Malen auch einen Sinn. Die Natur ist für mich Alles, – nicht bloß unsere „Umwelt“, ein modernes Unwort, das den Mensch von der Natur trennt.

Die Natur schaut sich selbst an – malt sich selbst.

Vieleicht weil Malerei, wie auch die Musik und jede Kunst eine  „Anschauung“ ist; ein Spiel mit den Polaritäten – ein Eintauchen und vielleicht, im Besten Sinne  sogar ein „Surfen“ – auf der Welle der Polarität.

Tag und Nacht – (kosmisch)

Männlich und Weiblich – (biologisch, sexualität)

Anziehung und Abstoßung – (magnetismus)

Hell und Dunkel – (natur Gesetz, Kunst)

Gut und Schlecht – (moralisch, ethisch)

Die Unendlichkeit und das Individuelle – (philosophisch)

Krankheit und Gesundheit – (gesellschaftlich)

plus minus
Die Anschauung der Natur
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