Vorher:
Mitte der 1980iger Jahre, als ich etwa 35 war, begann in mir eine Art von Umwandlung die man spirituell nennen könnte. Ein mächtiges Gefühl von universeller Liebe durchströmte mich, es war ungewohnt aber angenehm, etwa ein halbes Jahr lang, und dann klang es langsam, fast unmerklich wieder ab. Dieser Zustand half mir damals mit schwierigen Lebenssituationen zurecht zu kommen und war für mich der Beginn eines neuen Lebensabschnittes.

Beruflich war ich ein Lederhandwerker, ein Taschner. Ich produzierte Taschen, Brieftaschen und Gürtel wobei für mich die künstlerische Kreativität aber schon immer eine große Rolle spielte. Das Verhältnis zu einer Künstlerin war schließlich der Ansporn um mich der Kunst vollständig zu widmen. Wie ein Baum der sich befreit, von seinen ausgetrockneten Ästen und Blättern, löste ich mich vom praktisch orientiertem Handwerk und Produktdesign um mich vollständig der bildenden Kunst zu widmen.
Der Beginn mit der Kunst:
Das Material das ich am Besten kannte wurde der Bildträger für meine Phantasie. Das Leder, oder die Haut war auch eine vorzügliche Metapher und ein Einstieg in eine besondere Gedankenwelt und die Materialkenntnis half mir viel im handwerklichen Umgang.


Der Gedanke:
Die Haut formt nicht nur die Körper zu einzigartigen Wesen; sie trennt und schützt auch die Körper vor der Außenwelt und anderseits verbindet sie das Individuum durch die Sinne mit der Außenwelt. Sie ist sozusagen Vermittler zwischen dem Innen und dem Außen.
Das Leder, als dünne formbare Membran die so viel geballte Intelligenz in sich trägt übt in mir immer noch eine große Anziehungskraft aus. Ich kann die Bilder, die mir im Kopf entstehen, stimmig, mittels Farbe und Punziertechnik auf das Leder festhalten.
Es ist für mich auch wie ein Zurückkehren, zum Ursprung:
Nicht nur zurück in die Zeit, als die ersten Menschen auf Lederhäute ihre Rituale malten, sondern auch dorthin wo die Sinneseindrücke direkt entstehen.
Eben auf der Haut wo sie von ihr gefiltert, nach Innen strömen zum Gehirn und dann wieder nach Außen, verwandelt, in künstlerischer Form, – streben, wieder auf eine Haut; diesmal aber auf einer Rindshaut, um ans „Licht“ zu kommen.
Dabei bediene ich mich meines inneren Auges – der Fantasie,
die wie eine starke Linse oder wie ein Mikroskop elementare Teilchen aufzeichnet. Diese subatomare Teilchen – den Elementen, die ineinandergewebt wie ein Teppich oder wie ein Bild, molekulare Verbindungen und schließlich Zellen ergeben.
Das faszinierende Geheimniß der Entstehung der Materie und des Lebens beflügeln meine Liebe zur Malerei und gibt mir das Gefühl etwas Sinnvolles zu machen.
Ich folge gewissermassen den größten Meister der Kunst: die Natur
– nur sie ist instande solch unbegreifliche, verblüffende und herrliche Dinge zu kreieren.

Die subatomaren Teilchen, an den allerletzten Grenzen unseres Wissens über der Realität, in der Unendlichkeit des Kleinem, das in jedem von uns ist, dort vermute ich keine Trennung zwischen Geist und Körper. Es ist für mich der Ort wo die Fantasie zu hause ist. So auch die Energie die Atome anordnen lässt und verdichtet, zu spezifischen molekularen Verbindungen, die die Elemente entstehen lassen und dann die Zellen die sich zu einer intelligenten Haut bilden, die einen eigenen Mikrokosmos – einen neuen intelligenten und sensiblen Organismus in sich trägt.
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